Liebes Tagebuch,
die „Kleine“ hat schon Recht, wenn sie schreibt, dass ich nach Wien gehen will. Nationalratsabgeordnete verdienen ja auch viel mehr als Gemeinderäte, da wär’s schön blöd, wenn ich in Graz bleiben würde. Außerdem versteh ich mich doch mit dem HC soooo gut – das wird sicher eine amüsante Zeit. Und wenn die Umfragen versprechen, was sie halten, dann werd ich vielleicht sogar Ministerin! Was macht es da schon, dass ich in Graz bisher genau noch nix weitergebracht habe? … Eine herrliche Vorstellung, endlich im Zentrum der österreichischen Macht walten zu können. Ich hoff nur, dass mir die „Linken“ keinen Strich durch die Rechnung machen – die sprechen sich ja jetzt schon – gefragt oder ungefragt – bei jeder Gelegenheit gegen eine Koalition mit uns aus …
Bis Bald
Deine Susi
Liebes Tagebuch,
so ein Mist: kurz vor meinem wohlverdienten Sommerurlaub hab ich jetzt doch meinen job als FPÖ-Klubobmann an den Nagel hängen müssen. Offizielle Begründung ist ja, dass ich der Jugend Platz machen will – als ob es nicht offensichtlich wäre, dass ich noch längst nicht zum alten Eisen gehöre! Aber das Volk ist ja manchmal so dämlich, dass es alles glaubt, was man sagt … Im Nachhinein betrachtet hätte ich mich im Grazer Wahlkampf vielleicht doch ein bisserl zurückhalten sollen, aber jetzt ist es zu spät. Allerdings: Ich werd schon eine Möglichkeit finden, den Armin demnächst wieder abzusägen … das dürfte doch bei einer Person wie ihm nicht allzu schwer sein, da er noch ein wenig mehr im rechten Eck steht als ich … Kommt Zeit, kommt Rat!
Bis demnächst,
Deine Susi
Liebes Tagebuch,
jetzt muss ich seit einigen Tagen also doch wieder arbeiten gehen. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es noch ewig so weitergegangen wäre …
War aber auf der anderen Seite eh ganz gut, dass ich wieder “offiziell” im Amt bin, sonst machen meine Mandatare ja was sie wollen. Aber dem bin ich zumindest bei den Bezirksvorsteher-Wahlen Gott sei Dank zuvorgekommen. Diese Dilettanten hätten doch glatt den Sozi Ewald Muhr unterstützt. Und wenn ich nicht dafür gesorgt hätte, dass unsere Stimmzettel im Vorfeld gekennzeichnet werden, damit ich nach dem Wahlgang überprüfen konnte, ob sich “meine” Leute an die Vorgabe, der ÖVP-Kandidatin ihre Stimme zu geben, gehalten haben, hätten sie es wahrscheinlich tatsächlich fertiggebracht, sich meinem Willen zu widersetzen. Aber nicht mit mir: Susi is back!
Bis Bald,
Deine Susanne
Liebes Tagebuch,
der 09.April 2008 - jetzt hab ich ja schon länger nicht mehr geschrieben, aber du hast das letzte Mal eh mitbekommen, dass ich nicht so gut drauf war. Das war auch wirklich ein sehr anstrengender Tag: Zuerst stundenlang Klub-Sitzung und dann hat mich auch noch die JG genervt – die wollen nichts als Geld von mir! Glauben die etwa, nur weil ich mal Finanzstadtrat war, kann ich für sie so einfach ein paar tausend Euro locker machen? Naja, die werden auch noch lernen, dass es so nicht funktioniert!
Das Wochenende war wenigstens einigermaßen entspannend, aber kaum dass Montag war, hab’ ich mich schon wieder ärgern müssen: Der Sigi und die Lisa glauben wirklich, sie könnten in der Stadt alleine bestimmen! Mit dem neuen Namen der Stadtwerke kann ich ja noch leben, aber dass der Aufsichtsrat nur noch aus Schwarzen und Grünen bestehen soll, ist wirklich eine Sauerei. Und was war die Antwort von Lisa, als ich sie darauf angesprochen habe, dass wir viel zu spät von den Reformplänen erfahren haben? – „So ein Pech“ hat sie mir Mitten ins Gesicht gesagt!!! So eine Zimtzicke …
So, ich muss jetzt wieder weiterarbeiten.
Bis Bald,
Dein Wolfgang
Liebes Tagebuch,
kaum zu glauben, welches Medieninteresse derzeit an mir besteht. Das ist mir ja schon fast peinlich – aber halt nur fast! War also gar keine so blöde Idee, ein bisschen Staub aufzuwirbeln: Weder Sigi, noch Lisa oder Wolfgang kommen in so vielen Zeitungsberichten vor wie ich. Okay, das mit der Anzeige hätte nicht unbedingt sein müssen, aber ich glaub sowieso nicht, dass sie mich wirklich verurteilen werden. Und wenn doch, hätt ich kein sonderlich großes Problem damit: Mit meinem Mann versteh ich mich momentan eh nicht so gut, da wär ein bisserl Abstand vielleicht gar nicht schlecht. Und so, wie die Gefängnisse heutzutage ausgestattet sind, würde es mir im Prinzip an nichts fehlen. Außerdem hätte ich genug Zeit und Ruhe für Propagandaarbeit …
Bis Bald
Deine Susi
Liebes Tagebuch,
heute ist ein guter Tag: Die Sonne scheint und schon beim Frühstück hat mir mein Gesicht aus diversen Tageszeitungen entgegengelacht. Okay, das, was die Journalisten da so geschrieben haben, war nicht unbedingt positiv, aber was soll’s Hauptsache, ich bin in den Medien präsent … Ich denke sicher nicht daran, zurückzutreten, nur weil die Lisa und der Wolfgang das gerne hätten. Das wär’ ja noch schöner, wenn die Linken über mich bestimmen könnten. Und ganz ehrlich: Warum soll ich auf meine 9.628 Euro freiwillig verzichten? DAS kann doch niemand von mir verlangen, wegen so einer Lappalie. Ganz nebenbei finde ich, dass ich es nach dem anstrengenden Wahlkampf verdient habe, mich ein bisserl zu erholen. Und ganz untätig bin ich ja nicht, auch wenn ich momentan nicht im Büro bin. Was es da alles zu organisieren gibt! Schon alleine der Zeitaufwand, um endlich eine neue Infrastruktur für unsere Büros zu bekommen – aber wenigstens das wurde heute in der Kleinen Zeitung erwähnt. Mir ist es auch ziemlich egal, dass der Sigi meint, dass der Tag meiner Anklage „kein schöner Tag für die Stadt Graz“ ist - Ich bleib dabei: Mohammed war ein Kinderschänder und das können mir auch diese Moralaposteln nicht ausreden!
Bis Bald
Deine Susi